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archiv_4_06.qxd 06.12.2006 9:57 Uhr Seite 34 aus: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit 4/2006. Rainer Geißler Bildungschancen und soziale Herkunft Der französische Soziologe Pier re Bourdieu hat in den 1970er-Jahren den treffenden Begriff des Bildungskapitals (capital scolaire) geprägt. Dieser hat sich mit Recht schnell verbr eitet, denn er weist darauf hin, dass Bildung – oder genauer: die Abschlusszer tifikate von Schulen und Hochschulen – in m oder n e n G e s e l l s c h a f t e n e i n e z e n t r a l e R e s s o u r c e f ü r d i e i n d i v i d u e l l e n L e - benschancen sind. Gute Bildungsabschlüsse sind nicht die alleinige, aber ei - ne wichtige Voraussetzung dafür, um gesellschaftliche Chancen wahr zuneh - men und soziale Risiken zu minimier en. Mit einem guten Qualifikationsni- veau hängen die Chancen auf ber uflichen Er folg, Lebensstandar d, soziale Si - cher h e i t u n d G e s u n d h e i t g e n a u s o z u s a m m e n w i e d i e C h a n c e n a u f S e l b s t b e - stimmung und Fr eiheit. Gleiche Bildungschancen gehör en daher zu den Fun - damenten von Chancengleichheit im Allgemeinen. Bildungskapital – eine zentrale Ressource für Lebenschancen Die folgenden Zahlen und Daten sollen die allgemeinen Aussagen über das Bildungska- pital konkretisieren: Der Einstieg oder Aufstieg in höhere berufliche Positionen ist immer häufiger an einen Hochschulabschluss gebunden. So hatten z.B. 1997 82 % aller leitenden Angestellten der deutschen Wirtschaft erfolgreich ein Hochschulstudium abgeschlossen, 36 % waren sogar promoviert und nur 13 % verfügten nicht über das Abitur. Unter den Jüngeren (bis 44 Jahre) hatten lediglich noch 4 % keinen Hochschulabschluss vorzuweisen (Scheuch/Scheuch 1997: 11, 22). Diese „Akademisierung“ vollzieht sich in ähnlicher Form auch in anderen Berufsfeldern, in den höheren Ebenen des politischen Bereichs – z.B. in den Parlamenten, den Parteien und selbst in den Gewerkschaftsführungen – so- wie beim Aufstieg in die Eliten (vgl. Geißler 2006: 126). Das individuelle Bildungskapital lässt sich in der Regel über gesellschaftliche Führungs- positionen auch in entsprechend gute Einkommen und einen hohen Lebensstandard umsetzen. So verdienten Universitätsabsolventen 1995 das 2,2fache eines Ungelern- ten und ca. 70 % mehr als eine gelernte Fachkraft. Die Einkommensabstände zwi- schen den Bildungsgruppen lagen nur ganz geringfügig unter denjenigen von 1976. Auch die neuste OECD-Studie, in der die Bildungsabschlüsse anders klassifiziert wer- den, deutet auf fortbestehende ähnliche Einkommensunterschiede hin: Absolventen und Absolventinnen des Tertiärbereichs A (Studium von mindestens drei Jahren Dauer) verdienen 63 % mehr als Erwerbstätige mit Abschlüssen des Sekundarbereichs II, zu denen auch die gelernten Fachkräfte gehören (OECD 2005: 146). Die Befunde zum Zusammenhang von Bildung und Gesundheit sind eindeutig: Bes- serqualifizierte leben tendenziell gesünder als Niedrigqualifizierte. So sind z.B. ihre Ar- 34 archiv_4_06.qxd 06.12.2006 9:57 Uhr Seite 35 Bildungschancen und soziale Herkunft beitsplätze weniger gesundheitsschädigend, sie rau- PROF. DR. RAINER GEIßLER chen weniger, ernähren sich gesünder, treiben mehr ist Professor für Soziologie an Sport, nutzen häufiger die Gesundheitsvorsorge. Da- der Universität Siegen. her treten bei ihnen auch viele Krankheiten seltener E-Mail: geissler@soziologie.uni- auf und sie leben länger (Weber 1994, Mielck 2000, siegen.de Morschhäuser 2005). Eine neuere Studie des Robert- Koch-Instituts belegt, dass Abiturientinnen und Abiturienten erheblich seltener von Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris, chronischen Rückenschmerzen, chronischer Bronchitis, Arthrose und bösartigen Neubildungen betroffen sind als Menschen mit Hauptschulabschluss (Konsortium Bildungsberichterstattung 2006: 197 f.). Auch von den Risiken der modernen Gesellschaft sind nicht alle gleichermaßen be- troffen, die modernen Risiken sind nicht „demokratisiert“ (Beck 1986: 48, 149), wie es eine verbreitete, aber irreführende Formulierung behauptet. Eine gute Ausbildung bietet natürlich keinen absoluten Risikoschutz, aber sie kann Risiken erheblich herab- setzen. So war im Jahr 2004 die Gefahr, unter die Sozialhilfegrenze zu rutschen, für Personen ohne Hauptschulabschl

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