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Die konservative Behandlung der idiopathischen Adoleszentenskoliose Hasler C1, Bosshard Adrian2, Luchsinger-Lang C3, Rotach B4, Böni T5 1 Orthopädie, Universitätskinderspital beider Basel 2 Ortho-Team AG, Orthopädietechnik, Bern 3 Diplomierte Physiotherapeutin FH, Winterthur 4 Psychiater und Psychotherapeut, Bottmingen BL 5 Orthopädie, Balgristklinik, Zürich Korrespondenzadresse Prof. Dr. med. Carol-C,.Hasler Ärztlicher Beirat des Vereins Skoliose-Selbsthilfe Chefarzt Orthopädie Universitätskinderspital beider Basel Postfach, 4031 Basel Telephon +41 61 704 28 03 E-mail carolclaudius.hasler@ukbb.ch Bei der idiopathischen Adoleszentenskoliose, definiert als Seitverbiegung von mehr als 10° 1 handelt es sich um die häufigste Wirbelsäulendeformität im Wachstumsalter. Die Gründe für die Entstehung sind weitgehend unverstanden (idiopathisch). Die Krümmungsmuster sind sehr unterschiedlich. Das verblei- bende Wachstumspotential stellt neben dem Ausmass der Verkrümmung den gewichtigsten Risikofaktor für eine Zunahme dar. Über 90% der idiopathischen Skoliosen manifestieren sich erstmals nach dem 10.Lebensjahr (Adoleszentenskoliosen). Bei 16-jährigen Mädchen beträgt die Inzidenz 3 bis 4% für Kur- ven >10° Cobb-Winkel und 0.5% für Kurven >20° Cobb-Winkel1-3. Die Bezeichnung „idiopathisch“ umfasst möglicherweise Kombinationen verschiedener Ursachen, wie dies die sehr unterschiedlichen Verläufe von Skoliosen nahe legen. Genetische Faktoren spielen eine entschei- dende Rolle. Bei fast allen (97%) Skoliosepatienten lässt sich durch Genanalyse eine familiäre Ursache eruieren 4. Verwandte ersten Grades zeigen in 7-33% eine Skoliose 5-7. Diese Daten sprechen für ein multi- faktorielles Vererbungsmuster, eine variable Penetranz (ein gewisser Prozentsatz der Träger drückt das Merkmal nicht aus) und Heterogenität (zwei oder mehrere Gene innerhalb einer Population verhalten sich unterschiedlich) 8,9. Allerdings besteht keine Übereinstimmung zwischen Studien, was wahrscheinlich Ausdruck der verschiedenen Populationen ist 8,10-13. Das Ziel besteht in der Zuordnung definierter geneti- scher Profile zu bestimmten Kurventypen und der Definition des Progressionsrisikos 14. Falls es gelingen würde bei milden Skoliosen und hohem Wachstumspotential mittels DNA-Tests eine Aussage bezüglich des Zunahmerisikos zu treffen, wäre eine gezieltere Therapie (z.bsp Korsette nur bei hohem genetischen Risiko), möglich. Den idiopathischen Adoleszentenskoliose ist ein Missverhältnis zwischen vorderem und hinterem Wir- belsäulenwachstum gemeinsam15,16 Dies resultiert in einer dreidimensionalen Deformität mit apikaler Lordose (Sagittalebene), axiale Rotation (Transversalebene mit Rippenbuckel, Lendenwulst) und Seitver- biegung (Frontalebene)15,17-19,20. Der mechanische Druck durch die Schwerkraft ist konkavseitig grösser. Daraus ergibt sich die Dynamik der mit zunehmendem Cobb-Winkel zu asymmetrischen Druckverhältnis- sen und Wachstumsstörungen mit Wirbeldeformitäten führen kann. Es liegt in dem Sinne eine chronische Erkrankung vor, als die Skoliose in der Regel lebenslänglich bestehen bleibt. Deshalb spielen neben der somatischen Behandlung psychologische Faktoren, wie Persönlich- keitsmerkmale, Kommunikationsstil der Behandelnden und Coping-Strategien eine bedeutungsvolle Rolle. Da mindestens anfänglich wenig Leidensdruck besteht, ist die intrinsische Motivation evtl. gering. Diese kann von den Behandelnden durch angemessene Information gefördert werden. In der Regel tritt die Sko- liose in einer Phase der Identitätsfindung, der Suche nach Autonomie und der Ablösung vom Elternhaus auf. Daraus entstehende Konflikte spiegeln sich häufig im Umgang mit der Skoliose und in der Wahl der Behandlung. Behandlungskonzepte sollen diese Aspekte mitberücksichtigen 21. Die Wirksamkeit von Selbsthilfegruppen ist relativ gut untersucht und dokumentiert. Sie dienen der Verstärkung von intrinsi- scher Motivation, dem Coping und vermehrter Eigenverantwortung bezüglich einer wirksamen Behand- lung22. In der Regel sind verschiedene medizinische Fachpersonen (Hausarzt/Kinderarzt, Orthopäde, Phy- siotherapeutin, Orthopädietechniker) an der Behandlung beteiligt. Förderlich sind Besprechungen mit dem ganzen Behandlungsteam und unter Einbezug der Betroffenen und der Angehörigen zur Festlegung eines einheitlichen und realistischen Behandlungsziels. 1 Scoliosis Research Society, 555 East Wells Street, Milwaukee/USA / www.srs.org / info@srs.org Hasler et al. Idiopathische Adoleszentenskoliose – konservative Therapie Progression bedeutet Zunahme des Cobb-Winkels um 5° oder mehr zwischen zwei aufeinanderfolgenden Röntgenaufnahmen. Es ist mit den folgenden Risiken [%] bei unbehandelter Skoliose zu rechnen 23: Cobb-Winkel [°] 10 -12 Jahre alt 13-15 Jahre alt 16 Jahre alt <20 25% 10 0 20-29 60

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