• Document: Ein Gottesbeweis. Die Voraussetzung des Seins ist das Nichts. 1. Die Verachtung des Immateriellen
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Ein Gottesbeweis Die Voraussetzung des Seins ist das Nichts 1. Die Verachtung des Immateriellen Das einheitliche Weltbild des Westens ist der philosophische Materialismus. Fragen nach dem Immateriellen werden von intelligenten Menschen nicht mehr gestellt, selbst der Versuch, das Immaterielle zu beweisen oder zu widerlegen, ist aus der Mode. Falls es das Immaterielle gibt – so die Argumentation – dann ist es definitionsgemäß nicht Teil der materiellen, der naturwissenschaftlich beweisbaren Welt, also kann man es grund- sätzlich naturwissenschaftlich weder widerlegen noch beweisen. Nach allgemeiner Ansicht gilt darüber hinaus: Was nicht naturwissenschaftlich beweisbar ist, das gibt es sowieso nicht. Die Materie gilt als autonom und selbsterklärend. „Selbst wenn es Immaterielles gäbe, selbst wenn es Gott gäbe, wäre das total unerheblich, es wäre ohne jeden Einfluss auf die „wirkli- che“, die materielle Welt, denn die folgt so oder so ihren eigenen, materiellen Gesetzen...“ Immaterielles zur Erklärung des Materiellen heranzuziehen, verstößt auch gegen das Berufs- ethos der Naturwissenschaftler – Immaterielles hat in den Naturwissenschaften definitions- gemäß nichts zu suchen: Naturwissenschaften sind materialistisch und sonst nichts! Das Nichtmaterielle, das „Übernatürliche“, Gott und das alles ist längst weggeräumt in die Rumpelkammer des Obskuren, des Glaubens – also des Aberglaubens –, des Un- und Schwachsinns. Das naturwissenschaftlich nicht Erklärbare ist etwas für die Dummen und Un- gebildeten. 2. Was etwas ist, wird durch das definiert, was es nicht ist Stimmt das? Lässt sich Materie mit Materie erschöpfend – oder überhaupt – ohne Rückgriff auf Immaterielles beschreiben, verstehen? Ist alles Erklären und Verstehen einschließlich des menschlichen Bewusstseins, in dem sich alles Erklären und Verstehen abspielt, selbst nur Materie? Muss Materie überhaupt verstanden werden können? Materie gibt es ja offensichtlich schon lange bevor der erste Mensch auf den Plan getreten ist und sie „verstehen“ konnte. Es muss die Materie also offenbar herzlich wenig kümmern, was sie ist und was über sie in Gehirnen gedacht wird. Stimmt das? Ist Materie wirklich unabhängig von ihrer Beschreibung? Das heißt, unabhängig von ihrer Beziehung zu allem anderen, das Materie nicht ist? Unabhängig von ihrer Definition? Etwas definieren heißt, es von allem anderen zu unterscheiden, das es nicht ist. Definitionen werden vom Bewusstsein gemacht. Denn nur im Bewusstsein – wo sonst? – un- terscheidet sich etwas von allem andere, das es nicht ist. Das Bewusstsein definiert Materie dadurch, dass es sie von allem anderen unterscheidet, das Materie nicht ist. Wäre ein Apfelbaum auch dann ein Apfelbaum, wenn er sich nicht von allem anderen unter- scheiden würde, das der Apfelbaum nicht ist? Er wäre alles und nichts! Wenn alles Materie wäre, wie viele meinen, dann wäre es ja sinnlos, überhaupt von Materie zu sprechen. Wenn alles Materie wäre, dann gäbe es ja nichts, das keine Materie ist – Materie wäre nicht definiert! Sie wäre alles, das heißt, nichts. Materie ist aber definiert, denn sie unterscheidet sich von allem anderen, das sie nicht ist. Was ist das „Alles Andere“? Das „Alles Andere“ ist logischerweise alles das, was Materielles nicht ist, also das Immate- rielle. Materie war zwar vor dem Bewusstsein der Menschen da und ist also unabhängig vom Be- wusstsein des Menschen. Wenn ich schlafe oder tot bin, existiert die Welt auch ohne mich weiter. Aber heißt das auch, dass Materie auch ohne ein Bewusstsein sein kann, das sie definiert? Was ist Materie, wenn sie nicht definiert ist? Kann etwas auch dann definiert sein, wenn es nie von einem Bewusstsein definiert worden ist? Wenn es nie von allem anderen unterschieden worden ist, das es nicht ist? Das ist nicht denkbar. Was nicht von allem anderen verschieden ist, das es nicht ist, kann nicht sein. Es gibt keine Definition außerhalb von Bewusstsein, es gibt kein Sein außerhalb von Bewusstsein. Schon der Gedanke, dass Materie schon vor dem Bewusstsein da war, kann nur in Bewusst- sein gedacht werden. Die Behauptung, dass es etwas geben könne, ohne dass es definiert ist, – dass es ein Sein ge- ben könne außerhalb seines Seins im Bewusstsein, ist sinnlos. 4. Was ist das Immaterielle? Materielles kann nur sein, wenn es sich von allem anderen unterscheidet, das es nicht ist – vom Immateriellen. Das Immaterielle ist das, was nicht ist – also das Nichts. Aber ein Nichts, das es in sich hat. Das „Immaterielle“ – das, was nicht ist, das Nichts – ist das Alles Andere, von dem sich das eine unterscheidet, das ist. Materielles ist also vom Immateriellen abhängig, sonst wäre es nicht definiert. Aber diese Abhängigkeit beruht nicht auf Gegenseitigkeit: Immaterielles ist nicht vom Materiellen ab- hängig. Das Alles Andere, das Materie nicht ist, definiert das, was Materie ist, als Materie. Das beruht jedoch nicht auf Gegenseitigkeit. Denn Materie kann nicht definieren.

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