• Document: Andreas Bund, Anja Biemann & Artur Sudermann
  • Size: 129.91 KB
  • Uploaded: 2018-12-08 12:29:02
  • Status: Successfully converted


Some snippets from your converted document:

„Kinder stark machen!“ – Oder: Was können Sportlehrer/innen und Übungsleiter/innen dazu beitragen, das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen zu fördern? Andreas Bund, Anja Biemann & Artur Sudermann 1 Warum brauchen Kinder Selbstvertrauen? „Kinder stark machen!“ – das ist der Slogan einer Kampagne, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung seit einigen Jahren zur Suchtvorbeugung geführt wird. Grundge- danke und Ziel dieser Kampagne ist es, das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen zu fördern und sie dadurch stark genug zu machen, dass sie auch in schwierigen Lebensphasen von sich aus „nein“ zu Drogen sagen. Da man erkannt hat, dass auch der Sport – personifiziert durch seine unzähligen Übungsleiter/innen und Sportlehrer/innen – dazu einen wichtigen Bei- trag leisten kann, arbeitet die Bundeszentrale im Rahmen dieser Kampagne mit mehreren gro- ßen Fachverbänden (z.B. Deutscher Fußball-Bund, Deutscher Leichtathletik-Verband) sowie dem Deutschen Sportbund zusammen. Es ist wohl auch kein Zufall, dass das Projekt „Kinder stark machen!“ von einem ehemaligen Leistungssportler, nämlich dem mehrfachen Europa- meister über 400 Meter Hürden, Dr. Harald Schmid, geleitet wird. Die Kampagne stellt insofern einen neuartigen Ansatz dar, als dass erstmals akzeptiert wird, dass auch das Verhalten von Kindern und Jugendlichen nur sehr begrenzt von „außen“, also durch Eltern oder Lehrer, gesteuert werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass Belehrungen, Be- lohnungen oder Bestrafungen, wenn überhaupt, nur kurzzeitig wirksam sind. Wichtiger für die Ausrichtung langfristiger Verhaltensweisen, wie eben die Ablehnung von Drogen oder auch regelmäßige Sportaktivitäten, sind vielmehr bestimmte Überzeugungen, die sich bei Kindern und Jugendlichen im Laufe ihrer (individuell höchst unterschiedlichen) Entwicklung heraus- bilden. Eine Schlüsselrolle scheint dabei tatsächlich das Selbstvertrauen zu spielen, das ja auch Ausdruck einer persönlichen Überzeugung ist: Selbstvertrauen ist die Überzeugung einer Per- son, bestimmte Anforderungen bewältigen oder schwierige Handlungen ausführen zu können. Man könnte auch sagen, Selbstvertrauen ist die Überzeugung, dass das eigene Handeln „wirk- sam“ ist, und zwar wirksam im Sinne des Erreichens selbstgesteckter Ziele. In der Psychologie wird deshalb in Anlehnung an ein bekanntes Konzept von Albert Bandura, einem amerikani- schen Psychologen, auch von der „Selbstwirksamkeitsüberzeugung“ (Bandura, 1997) gespro- chen. Wir werden aber in diesem Beitrag überwiegend den gebräuchlicheren Begriff „Selbst- vertrauen“ verwenden. Natürlich ist Selbstvertrauen für Kinder und Jugendliche nicht nur im Rahmen der Suchtver- meidung wichtig. Man weiß heute durch zahlreiche Untersuchungen, dass Selbstvertrauen in den verschiedensten Lebensbereichen eine wichtige Rolle spielt, zumindest in solchen, in de- 1 nen Leistungen erbracht oder bestimmte Anforderungen bewältigt werden müssen. Es beein- flußt maßgeblich den schulischen und beruflichen Erfolg, bestimmt mit, welche und wieviele soziale Kontakte ein Mensch eingeht und ist im übrigen, dies soll hier aber nur eine unterge- ordnete Rolle spielen, auch für die sportliche Leistungsfähigkeit von Bedeutung. Der Aufbau bzw. die Förderung des Selbstvertrauens von Kindern und Jugendlichen stellt da- mit eine der zentralen pädagogischen Aufgaben dar. Die weiteren Ausführungen beschäftigen sich nun mit der Frage, welchen Beitrag der Vereins- und Schulsport dazu leisten kann und in welcher Weise dies geschehen kann. Bedenkt man, dass Übungsleiter/innen und Sportlehrer/ innen die Jugendlichen nicht selten über einen längeren Zeitraum (und demzufolge auch in kritischen Phasen) ihrer Entwicklung begleiten, scheint uns dies ein wichtiger Aspekt zu sein. Der vorliegende Beitrag ist zweigeteilt: Zunächst stellen wir uns die Frage, was wir überhaupt zum Thema Förderung des Selbstvertrauens durch Sport bzw. Sportunterricht wissen und stel- len in diesem Zusammenhang einen neuen Untersuchungsansatz der Universität Bayreuth vor. Danach geben wir, zum Teil aus diesen Untersuchungen, vor allem aber aus relevanten Theo- rien abgeleitet, konkrete Anregungen, wie Lehr-/Lernprozesse im Sport gestaltet werden soll- ten, damit das Erziehungsziel „auf sich selbst vertrauender“ Kinder und Jugendlicher unter- stützt wird. Auf eine Darstellung dieser Theorien verzichten wir bewusst, der interessierte Le- ser sei auf die bereits erwähnte Selbstwirksamkeitstheorie (Bandura, 1997), zu der auch zahl- reiche deutschsprachige Publikationen vorliegen (z.B. Bund, 2001; Schwarzer, 1994), sowie die Ansätze von Harter (1981) und Vealey (1986) verwiesen. Die Theorie von Harter bezieht sich speziell auf Kinder. 2 Was wissen wir über die Förderung des Selbstvertrauens von Kindern und Jugend- lichen durch Sport(unterricht)? Wir wissen, um es vorwegzunehmen, recht wenig. Zwar l

Recently converted files (publicly available):